Nebenerwerb · Deutschland, Österreich, Schweiz

Nebengewerbe anmelden: Was für dein Online-Business gilt

Wer neben dem Job mit Affiliate-Provisionen, digitalen Produkten oder Reselling Geld verdient, braucht meist ein Gewerbe. Hier steht, was in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt, mit Links zu den amtlichen Stellen.

Stand: 24.09.2026 · 8 Min. Lesezeit · Redaktion nebenbei.digital

Auf einen Blick

Deutschland
Gewerbeanzeige beim örtlichen Gewerbeamt zu Beginn der Tätigkeit, 20–60 € je nach Gemeinde
Affiliate-Provisionen
laut Existenzgründungsportal des Bundes gewerblich, nicht freiberuflich
Geschäftliche Käufe
Wer einen Vertrag für seine selbstständige Tätigkeit schließt, handelt als Unternehmer (§ 14 BGB), mit anderen Regeln als Verbraucher
Kleinunternehmer DE
bis 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr (netto, seit 01.01.2025)
Österreich
Kleinunternehmergrenze 55.000 € brutto pro Jahr (seit 01.01.2025)
Schweiz
Mehrwertsteuerpflicht ab CHF 100.000 Umsatz pro Jahr

Deutschland

Muss ich ein Gewerbe anmelden? Nach § 14 Gewerbeordnung muss jedes Gewerbe zu Beginn angezeigt werden, egal ob im Haupt- oder Nebenerwerb. Einnahmen aus Werbung und Provisionen stuft das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums als gewerblich ein: Wer auf Provisionsbasis bezahlt wird, betreibt Absatzförderung. Eine freiberufliche Einordnung scheidet dann aus.

Wo und was kostet es? Beim Gewerbeamt deiner Gemeinde, vielerorts auch online. Die Gebühr liegt laut Existenzgründungsportal je nach Gemeinde zwischen 20 und 60 €.

Was ist mit meinem Arbeitgeber? Dein Arbeitsvertrag kann vorsehen, dass du eine selbständige Nebentätigkeit anzeigen oder genehmigen lassen musst. Lies den Vertrag, bevor du startest.

Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG): Seit dem 01.01.2025 kannst du sie nutzen, wenn dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € betragen hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet (jeweils netto). Bis Ende 2024 galten 22.000 € und 50.000 €. Überschreitest du die 100.000 € im laufenden Jahr, entfällt der Status sofort; schon der Umsatz, mit dem du die Grenze überschreitest, ist laut IHK Berlin steuerpflichtig.

Und die Einkommensteuer? Gewinne aus dem Nebengewerbe sind einkommensteuerpflichtig und kommen in deine Steuererklärung. Nach der Anmeldung meldet sich das Finanzamt; den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung reichst du über ELSTER ein.

So startest du in Deutschland

  1. 1

    Arbeitsvertrag auf Regeln zur Nebentätigkeit prüfen.

  2. 2

    Gewerbe beim Gewerbeamt anzeigen (20–60 €).

  3. 3

    Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER ausfüllen, dabei über die Kleinunternehmerregelung entscheiden.

  4. 4

    Einnahmen, Ausgaben und Auszahlungen von Anfang an sauber dokumentieren.

    Was von einer Affiliate-Provision wirklich ankommt, zeigt der Digistore24-Provisionsrechner.

Bei geschäftlichen Käufen handelst du als Unternehmer

Mit dem Gewerbe änderst du nicht nur deinen Steuerstatus. Entscheidend ist aber nicht die Anmeldung allein, sondern ob du den konkreten Vertrag für deine selbstständige Tätigkeit schließt. Dann bist du bei diesem Geschäft rechtlich Unternehmer. So definiert es § 14 BGB: Unternehmer ist, wer „bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt“. Das hat drei praktische Folgen:

  1. Plattformen verlangen deine Steuerdaten. Digistore24 zum Beispiel zahlt Provisionen erst aus, wenn du eine Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID hinterlegt hast.
  2. Manche Angebote gibt es nur für Unternehmer. Einige Kurse und Communities verkaufen laut ihren AGB ausschließlich an Selbstständige und Firmen, zum Beispiel der KI Marketing Club von Herr Tech. Was der Club kostet und für wen er gilt
  3. Kein gesetzliches Widerrufsrecht. Das 14-tägige Widerrufsrecht bei Online-Käufen steht Verbrauchern zu (§§ 312g, 355 BGB). Kaufst du als Unternehmer einen Kurs oder ein Software-Abo, sind vor allem die Vertragsbedingungen des Anbieters maßgeblich. Lies die AGB vor dem Kauf, vor allem zu Laufzeit, Kündigung und Geld-zurück-Garantie.

Österreich

Wann liegt ein Gewerbe vor? Nach § 1 Abs. 2 Gewerbeordnung 1994, wenn eine Tätigkeit selbständig, regelmäßig und mit der Absicht betrieben wird, einen Ertrag zu erzielen.

Anmeldung: bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat, elektronisch über GISA, zum Beispiel mit ID Austria. Laut Unternehmensserviceportal fallen dafür keine Stempelgebühren und Bundesverwaltungsabgaben an. Mit der Anmeldung wirst du Mitglied der Wirtschaftskammer und bei der SVS gemeldet.

Kleinunternehmergrenze: 55.000 € brutto pro Jahr, seit 01.01.2025 (vorher 35.000 €). Überschreitest du sie um höchstens 10 Prozent, bleibt die Befreiung bis zum Jahresende bestehen.

Welches Gewerbe genau für Affiliate Marketing anzumelden ist, klärst du am besten mit der Gründerberatung der WKO.

Schweiz

Mehrwertsteuer: Steuerpflichtig wirst du ab einem Umsatz von mindestens CHF 100.000 pro Jahr, gezählt werden Leistungen im In- und Ausland. Bei einer Neugründung beginnt die Pflicht sofort, wenn absehbar ist, dass du die Grenze in den ersten zwölf Monaten erreichst.

Handelsregister: Ein Einzelunternehmen muss eingetragen werden, wenn der Jahresumsatz CHF 100.000 übersteigt und das Geschäft nach kaufmännischer Art geführt wird.

AHV: Um als selbständig erwerbend anerkannt zu werden, stellst du einen Antrag bei der AHV-Ausgleichskasse am Ort deiner Tätigkeit.

Häufige Fragen

Muss ich für Affiliate Marketing ein Gewerbe anmelden?
In Deutschland ja, sobald du regelmäßig Provisionen erzielen willst; das Existenzgründungsportal des Bundes stuft Affiliate-Einnahmen als gewerblich ein. In Österreich gilt die Tätigkeit als Gewerbe, wenn sie selbständig, regelmäßig und auf Ertrag ausgerichtet ist.
Was kostet die Gewerbeanmeldung in Deutschland?
20 bis 60 €, je nach Gemeinde.
Muss ich meinen Arbeitgeber fragen?
Das hängt von deinem Arbeitsvertrag ab. Viele Verträge verlangen eine Anzeige oder Zustimmung.
Ab wann muss ich in der Schweiz Mehrwertsteuer abrechnen?
Ab CHF 100.000 Jahresumsatz.
Bin ich mit einem Nebengewerbe Unternehmer?
Ja, sobald du für deine gewerbliche Tätigkeit handelst, etwa ein Tool oder einen Kurs für dein Business kaufst (§ 14 BGB). Für private Käufe bleibst du Verbraucher.
Brauche ich für Digistore24 eine Steuernummer?
Ja. Wer in Europa sitzt, bekommt von Digistore24 erst eine Auszahlung, wenn Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID hinterlegt sind. Mit Digistore24 Geld verdienen

Quellen

  1. Website und Blog betreiben, freiberufliche Tätigkeit? · Existenzgründungsportal des BMWK · abgerufen am 13.09.2026
  2. Unternehmensanmeldung · Existenzgründungsportal des BMWK · abgerufen am 13.09.2026
  3. Nebenberuflich Online-Marketing anbieten, Gewerbe anmelden? · Existenzgründungsportal des BMWK · abgerufen am 13.09.2026
  4. § 19 UStG · Gesetze im Internet · abgerufen am 13.09.2026
  5. Kleinunternehmerregelung · IHK Berlin · abgerufen am 13.09.2026
  6. § 14 BGB · Gesetze im Internet · abgerufen am 18.09.2026
  7. § 312g BGB · Gesetze im Internet · abgerufen am 18.09.2026
  8. § 355 BGB · Gesetze im Internet · abgerufen am 18.09.2026
  9. Gewerbepflicht und Kleinunternehmerregelung · Digistore24 Hilfe · abgerufen am 18.09.2026
  10. Kleinunternehmen · Unternehmensserviceportal Österreich · abgerufen am 13.09.2026
  11. Gewerbeanmeldung Einzelunternehmen · Unternehmensserviceportal Österreich · abgerufen am 13.09.2026
  12. § 1 GewO 1994 · RIS · abgerufen am 13.09.2026
  13. MWST-Steuerpflicht · ESTV · abgerufen am 13.09.2026
  14. Einzelunternehmen · KMU-Portal des Bundes · abgerufen am 13.09.2026